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Kaffeewissen · Geschmack

Aromen und Bewertung: warum du deinen Kaffee selbst bewerten solltest.

„Noten von Kirsche und Milchschokolade“ steht auf der Packung, und in der Tasse schmeckst du einfach Kaffee. Das ist normal. Aromen erkennen ist Übung, und die einfachste Übung ist, jeden Brew kurz zu bewerten und festzuhalten, was du schmeckst.

Von Michael Timofeev · Aktualisiert 13. Oktober 2026 · 4 Min. Lesezeit

Was ist das Flavor Wheel?

Das Coffee Taster’s Flavor Wheel haben die Specialty Coffee Association (SCA) und World Coffee Research 2016 gemeinsam neu herausgebracht. Es beruht auf einem wissenschaftlichen Sensorik-Lexikon und gibt Baristas, Röstern und Trinkern ein gemeinsames Vokabular. Innen stehen allgemeine Kategorien, nach außen werden die Begriffe immer konkreter.

Grafik: Ring mit den neun Aromen-Kategorien des SCA Flavor Wheel und ihren Farben
Die neun Hauptkategorien, wie Shotbook sie zeigt.

Die neun Hauptkategorien sind: süß, blumig, fruchtig, sauer/fermentiert, grün/vegetativ, geröstet, Gewürze, nussig/Kakao und andere (zum Beispiel papierartig oder chemisch, meist Fehlnoten).

So erkennst du Aromen

  1. Von innen nach außen. Frag dich zuerst nur: Eher fruchtig, eher nussig, eher geröstet? Erst danach: Welche Frucht? Beere oder Zitrus?
  2. Abkühlen lassen. Sehr heißer Kaffee verdeckt viel. Wenn er lauwarm wird, treten Säure, Süße und Frucht deutlicher hervor.
  3. Schlürfen. Mit etwas Luft verteilt sich der Kaffee im ganzen Mund und das Aroma erreicht die Nase.
  4. Vergleichen. Zwei Kaffees nebeneinander zeigen Unterschiede viel deutlicher als einer allein.

Warum selbst bewerten?

Unser Geschmacksgedächtnis ist kurz. Nach einer Woche weißt du nicht mehr, ob der Shot mit 18 g oder mit 18,5 g besser war. Eine kurze Bewertung direkt nach dem Brew macht aus einzelnen Tassen einen Verlauf:

  • Du siehst, was wirkt. Wenn ein feinerer Mahlgrad regelmäßig eine 8 statt einer 6 bringt, ist das keine Einbildung mehr.
  • Du vergleichst fair. Kaffees, Röster und Zubereitungen werden über Wochen hinweg vergleichbar.
  • Du findest deinen Geschmack. Die Röster-Notizen sind ein Hinweis, deine Bewertung ist die Wahrheit für deine Tasse.
  • Du lernst schmecken. Wer regelmäßig benennt, was er schmeckt, schmeckt nach ein paar Wochen deutlich mehr.

Eine Skala, die du durchhältst

Die Bewertung muss nicht perfekt sein, nur konsistent. Shotbook nutzt eine einfache Skala von 1 bis 10, jede Stufe mit einem Wort:

PunkteBedeutung
1 bis 2Schlecht
3 bis 4Unterdurchschnittlich
5Durchschnitt
6Ordentlich
7Gut
8Sehr gut
9Ausgezeichnet
10Perfekt

Diese Punkte sind deine persönliche Einschätzung, keine Cupping-Punkte nach SCA. Eine 8 bedeutet: Das trinke ich gern wieder so.

Ein misslungener Shot muss deine Statistik nicht verderben: Verwirf ihn, statt ihn schlecht zu bewerten. So bleiben deine Durchschnittswerte ehrlich.

Häufige Fragen

01Muss ich alle Aromen auf dem Rad erkennen?
Nein. Eine Kategorie wie „fruchtig“ oder „nussig“ reicht völlig. Die Details kommen mit der Zeit von selbst.
02Was ist der Unterschied zu SCA-Punkten?
SCA-Punkte (zum Beispiel 86) stammen aus einem standardisierten Cupping und bewerten die Qualität des Kaffees. Deine Bewertung von 1 bis 10 beschreibt, wie dir ein bestimmter Brew geschmeckt hat.
03Warum schmecke ich die Noten von der Packung nicht?
Röster schmecken unter kontrollierten Bedingungen und mit viel Übung. Zubereitung, Wassertemperatur und Frische ändern viel. Vergleiche lieber über die Zeit, was du selbst schmeckst.