Aromen und Bewertung: warum du deinen Kaffee selbst bewerten solltest.
„Noten von Kirsche und Milchschokolade“ steht auf der Packung, und in der Tasse schmeckst du einfach Kaffee. Das ist normal. Aromen erkennen ist Übung, und die einfachste Übung ist, jeden Brew kurz zu bewerten und festzuhalten, was du schmeckst.
Was ist das Flavor Wheel?
Das Coffee Taster’s Flavor Wheel haben die Specialty Coffee Association (SCA) und World Coffee Research 2016 gemeinsam neu herausgebracht. Es beruht auf einem wissenschaftlichen Sensorik-Lexikon und gibt Baristas, Röstern und Trinkern ein gemeinsames Vokabular. Innen stehen allgemeine Kategorien, nach außen werden die Begriffe immer konkreter.

Die neun Hauptkategorien sind: süß, blumig, fruchtig, sauer/fermentiert, grün/vegetativ, geröstet, Gewürze, nussig/Kakao und andere (zum Beispiel papierartig oder chemisch, meist Fehlnoten).
So erkennst du Aromen
- Von innen nach außen. Frag dich zuerst nur: Eher fruchtig, eher nussig, eher geröstet? Erst danach: Welche Frucht? Beere oder Zitrus?
- Abkühlen lassen. Sehr heißer Kaffee verdeckt viel. Wenn er lauwarm wird, treten Säure, Süße und Frucht deutlicher hervor.
- Schlürfen. Mit etwas Luft verteilt sich der Kaffee im ganzen Mund und das Aroma erreicht die Nase.
- Vergleichen. Zwei Kaffees nebeneinander zeigen Unterschiede viel deutlicher als einer allein.
Warum selbst bewerten?
Unser Geschmacksgedächtnis ist kurz. Nach einer Woche weißt du nicht mehr, ob der Shot mit 18 g oder mit 18,5 g besser war. Eine kurze Bewertung direkt nach dem Brew macht aus einzelnen Tassen einen Verlauf:
- Du siehst, was wirkt. Wenn ein feinerer Mahlgrad regelmäßig eine 8 statt einer 6 bringt, ist das keine Einbildung mehr.
- Du vergleichst fair. Kaffees, Röster und Zubereitungen werden über Wochen hinweg vergleichbar.
- Du findest deinen Geschmack. Die Röster-Notizen sind ein Hinweis, deine Bewertung ist die Wahrheit für deine Tasse.
- Du lernst schmecken. Wer regelmäßig benennt, was er schmeckt, schmeckt nach ein paar Wochen deutlich mehr.
Eine Skala, die du durchhältst
Die Bewertung muss nicht perfekt sein, nur konsistent. Shotbook nutzt eine einfache Skala von 1 bis 10, jede Stufe mit einem Wort:
| Punkte | Bedeutung |
|---|---|
| 1 bis 2 | Schlecht |
| 3 bis 4 | Unterdurchschnittlich |
| 5 | Durchschnitt |
| 6 | Ordentlich |
| 7 | Gut |
| 8 | Sehr gut |
| 9 | Ausgezeichnet |
| 10 | Perfekt |
Diese Punkte sind deine persönliche Einschätzung, keine Cupping-Punkte nach SCA. Eine 8 bedeutet: Das trinke ich gern wieder so.
Ein misslungener Shot muss deine Statistik nicht verderben: Verwirf ihn, statt ihn schlecht zu bewerten. So bleiben deine Durchschnittswerte ehrlich.

